Britta Steding · Öl auf Gold
2. bis 30. November 2026
Der Schlafberater, Bielefeld
Das Auge
hört mit
Diese Bilder dürfen Sie sehen und dann vergessen.
Gold auf einer ganzen Leinwand: strahlend, dominant, womöglich schwer. Würde ich das auf so großer Fläche ertragen? Handwerklich eine Herausforderung. Ich vertiefte mich ganz ins Tun und verließ den Raum erschöpft. Am nächsten Tag betrete ich ihn, in Gedanken versunken, und halte inne: ein Leuchten, als schiene die Sonne durch ein Fenster, das gar nicht da sein konnte. Mir fehlen die Worte. Seitdem male ich auf Gold. Nicht, weil es kostbar ist, sondern weil es den Raum verwandelt, auch wenn niemand hinsieht.
Dieser Moment ist der rote Faden der Ausstellung. Man ist mit den Gedanken woanders, und etwas erreicht einen, bevor man es benennen kann. Das Auge sieht nicht mehr nur, es hört mit, es spürt, es atmet. Für einen Augenblick schweigen die Worte, und man ist ganz da.
Ein Rotkohl auf Gold macht wach für das Alltägliche, ein Kreis in einem Zug für den Augenblick. Ein Kohl aus wenigen Linien lässt die Stille klingen. Steine werden leicht, Berge schweben, eine Lichtung wärmt. Am Ende bleibt der Bambus, ein Hauch, der nachklingt.
Die Bilder brauchen kein besonderes Licht. Sie leben mit dem, das da ist. Lassen Sie sie ruhig zur Kulisse Ihrer Tage werden. Und dann, an einem Abend, beginnt etwas im Bild zu klingen, und Sie sehen es zum ersten Mal.
Innehalten

Öl auf Schlagmetall Gold, Leinwand · 160 × 160 cm · 2026 · 4.500 €
Es lohnt sich, den alltäglichen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken
Violett, Türkis, Silbergrau: Was die Natur in einen Rotkohl legt, ist zum Staunen. Seine Blätter öffnen sich wie eine Blüte, mit derselben Brillanz. Ein einfaches Lebensmittel, ein Wunder. Es hat verdient, auf Gold zu stehen.
Wer näher tritt, sieht, wie sich die Blätter von der Mitte aus öffnen, Schicht um Schicht, wie bei einer Blüte. Manche sind bewusst nicht zu Ende gemalt. Dort leuchtet das Gold durch den Kohl hindurch. Das Kostbare liegt nicht dahinter, sondern darin.
Ein Rotkohl auf Gold, ein bisschen frech. Und wunderschön. Wer ihn so gesehen hat, schaut anders auf den eigenen Alltag: auf den ersten Kaffee, das Gespräch am Küchentisch, die Nacht. Ein Bild für Räume, in denen der Tag zur Ruhe kommt.
SOSEIN

TaglineÖl auf Schlagmetall Gold, Leinwand · 100 × 100 cm · 2026 · 1.700 €
Der Pinselstrich als Geste des Moments
Das Hōshu ist ein altes Zeichen aus der buddhistischen Bildsprache Japans, ein Juwel mit Flammenspitze und ein Glücksymbol. In der Sumi-e-Malerei fasst es mit wenigen Strichen die vier Elemente zusammen: Erde, Wasser, Feuer und Wind. Für Britta Steding ist es eine tägliche Übung, in freier Form. Vor dem ersten Strich steht eine kurze Tai-Chi-Folge, damit die Hand ruhig wird.
Ein einziger Kreis, der sich dreht wie die Erde. Darin ein Wirbel wie Wasser, oben die Flamme, daneben ein offener Schwung, der sie anfacht wie Wind. Und ein Bambuszweig, der schon in den letzten Raum weist.
Ein Kreis in einem Zug lässt sich nicht korrigieren und nicht planen. Er gelingt nur, wenn der Kopf für einen Moment nichts anderes tut. Das Bild zeigt diesen Moment.
Klang

Öl auf Schlagmetall Gold, Leinwand · 160 × 160 cm · 2026 · 4.500 €
Es ist nicht das ETWAS,
sondern das HÖREN an sich
Nach dem Rotkohl in voller Farbe sollten eigentlich weitere Gemüse folgen. Doch das wären nur Wiederholungen gewesen. Gereizt hat etwas anderes: die Tuschemalerei, in der Bewegung und Malen eins werden. Körper, Haltung und Atem fließen in eine einzige Geste, die den Moment zeigt. So entstand derselbe Kohl noch einmal, im selben großen Format, aber reduziert auf die Linie. Er löst sich auf, und sichtbar wird, was immer schon da war: das Gold.
Aus der Entfernung sieht man einen Kohl. Wer näher tritt, verliert ihn: Die Linien werden zu Pinselspuren, breit, auslaufend, voller Bewegung. Jede ist ein Zeichen für sich, fast schon abstrakt. In diesem Format wird sichtbar, was in einer kleinen Tuschezeichnung verborgen bleibt: der Weg der Hand.
Wer den Rotkohl in voller Farbe noch vor Augen hat, sieht hier denselben Kohl größer und zugleich leiser, als dehne er sich aus, bis nur noch Spur bleibt. Er verschwindet nicht, er löst sich auf. Und die Stille, die dabei entsteht, hat einen Klang.
Leichtes Gewicht

Öl auf Schlagmetall Gold, Leinwand · 100 × 50 cm · 2023 · 750 €
In einem anderen Licht
Die Steine entstanden als Bild für innere Blockaden. An manchen Tagen wiegen sie schwer, an anderen sind dieselben Dinge erstaunlich leicht. Oft ist es nur eine Frage des Blickwinkels.
Unten liegen die Steine dunkel und dicht, nach oben werden sie durchscheinend und steigen aus dem Bild. Wer ein paar Schritte zur Seite geht, sieht, wie das Gold unter der Farbe das Licht anders fängt. Dieselben Steine wirken plötzlich schwerer oder leichter.
Am Bild hat sich nichts verändert, nur der Standpunkt. Manchmal genügt das schon: die Dinge in einem anderen Licht zu sehen.
Schwebende Berge

Öl auf Schlagmetall Gold, Leinwand · 180 × 110 cm · 2025 · 3.750 €
Gäste begrüßende Kiefer
Japanische Rollbilder erzählen eine Landschaft von unten nach oben. Was im Querformat eine Geschichte wäre, wird im Hochformat ein Aufstieg. Das hat fasziniert: die Felsen des Gelben Gebirges so zu malen, dass man mit dem Blick hinaufsteigt.
Unten steht die Kiefer, dunkel und nah, eine Verwandte der berühmten „Gäste begrüßenden Kiefer“, die dort oben jeden Besucher empfängt. Dahinter wachsen die Felsen aus dem Nebel. Je höher der Blick wandert, desto heller wird es: Der Grund schimmert gedämpft wie Licht hinter Wolken, die Gipfel darüber leuchten aus einer zweiten Schicht Gold und treten fast greifbar hervor.
So wird das Betrachten zu einer Reise: vom festen Boden hinauf in eine Welt, die schwebt. Man steigt mit, ohne einen Schritt zu tun.
Herbstliche Lichtung

Acryl auf Schlagmetall Gold, Leinwand · 50 × 100 cm · 2020 · 750 €
Ein Stamm - ein Pinselstrich
Herbstfarben leuchten ohnehin. Hier sollte das Gold sie noch durchdringen, in jeden Winkel fließen, jede Lücke zwischen den Blättern erhellen. Satt, warm, durchflutet.
Das Farbenspiel eines einzelnen Baumstamms: ein Pinselzug, mit vollem Pinsel beherzt geführt, eine Geste wie in der Tuschemalerei. Rot mischt sich in Braun, Gelb in Weiß, erst auf der Leinwand. Und zwischen dem Laub scheint das Gold hindurch.
Eine Lichtung ist eine Lücke im Wald, durch die Licht fällt. Nach den schwebenden Bergen ist hier wieder Boden unter den Füßen, warm vom Laub. Ein Ort, an dem man stehen bleibt und spürt: Hier bin ich zu Hause.
Kleine Geschichten zum Bambus


Acryl auf Schlagmetall Gold, Leinwand · 50 × 50 cm, 2026, 490 €
20 × 20 cm: je 95 €, alle vier als Serie 340 €
Sumi-e in ÖL
Bambus biegt sich im Sturm und bricht nicht. Aus der Kampfkunst kennt Britta Steding diese Haltung: Kraft, die nachgeben kann. Dazu der Rhythmus der Halme, Knoten für Knoten, wie ein Takt.
Aus den harten, glatten Halmen wachsen zarte Blätter. Jedes entsteht aus einem einzigen Druck des Pinsels, der sich löst, und der Strich geht weiter, über die Leinwand hinaus, ins Nichts. Darum laufen die Spitzen so fein aus. In den kleinen Bildern wird es von Mal zu Mal stiller: erst Halme, dann ein Zweig, zuletzt wenige Blätter vor einem goldenen Kreis.
Stärke und Biegsamkeit, Halm und Blatt, Takt und Pause. Ein Hauch, der nachklingt.
Finissage
Finissage am 28. November
Zum Abschluss der Ausstellung bin ich am Samstag, 28. November, von 14 bis 17 Uhr vor Ort. Ich freue mich auf Ihre Fragen, auf Gespräche und habe eine kleine Überraschung für Sie dabei.
Möchten Sie an die Finissage erinnert werden, oder interessiert Sie ein Bild? Schreiben Sie mir einfach an info@brittasteding.com.
Ort und Öffnungszeiten:
Wilfried Scholz e.K. · Der Schlafberater Jöllenbecker Str. 63
33613 Bielefeld
Di, Do, Fr 10–13 und 15–18 Uhr
Mi 10–13 Uhr
Sa 10.30–14 Uhr
Mo Ruhetag